Gemeindeportrait und Geschichte

Altes Rathaus

Ortschronik

Der landschaftlich schön gelegene Ort in der breiten Talsenke am Gießnaubach wird - heute eher ein Vorteil - von keiner überörtlichen Straße berührt. Vielleicht ist dies aber einer der Hauptgründe, warum die sehr alte Siedlung nie zum Marktort aufgestiegen ist, auch wenn das Ortsbild durchaus kleinstädtisches Gepräge besitzt. Die marktstraßenähnlich breite Hauptstraße, das stattliche Rathaus und die geräumige Kirche haben eher kleinstädtischen Charakter.

Herausragendes Gebäude der Gemeinde ist das 1669 errichtete Rathaus an der Vorderen Straße. Das schöne frühbarocke Zierfachwerk steht auf einer offenen Laube. Das Ortsbild des Siedlungskerns ist bis heute ohne allzu störende Einbrüche moderner Funktionsarchitektur geblieben.

Die leicht erhöht im ummauerten Friedhof gelegene Kirche hat ihr Gesicht mehrfachen Umbauten und Zutaten zu verdanken. Die ältesten Bauteile entstammen der Gotik, das Schiff wurde 1824 nach Süden erweitert.

Die in der Erweiterung stehende Empore trägt eine der schönsten Orgeln des Kreises. Das im sog. „Zweiten Rokoko" gehaltene Hauptwerk von 1824 wurde durch eine Stiftung, an der der Orgelbauer J.V. Gruol selbst maßgebend beteiligt war, von vorneherein um das schöne Rückpositiv in der Emporenbrüstung erweitert. Der Altarbereich zeichnet sich durch den einfachen Steinaltar von 1542 aus, der von einem reichen barocken Altargitter gerahmt wird, das an Schönheit dem Nürtinger Gitter kaum nachsteht.

Die überdurchschnittliche neugotische Holzkanzel, der einfache romanische Taufstein und eine Reihe alter Grabsteine, vor allem des 17. Jh., die am Äußeren der Kirche eingemauert sind, und der in der Kirchendecke jüngst gefundene spätgotische Palmesel-Christus runden das reichhaltige Inventar der Kirche ab.

Bissinger See

Die neugotische Turmbekrönung von 1886 vereinigt Motive der Reimser Kathedrale, die Ecktabernakel, mit dem Helm der Esslinger Frauenkirche, der in seinen Formen vereinfacht werden mußte, ein interessantes Beispiel für die eklezistische, frei mit den mittelalterlichen Vorbildern umgehende Architektur der Gründerzeit.

Das Pfarrhaus liegt weit entfernt von der Kirche. Sein steinernes, ehemals verputztes Erdgeschoß stammt wohl aus dem 16. Jh., der Fachwerkaufbau mit dem für Pfarrhäuser eher ungewöhnlichen Satteldach ist wohl barock. Im Pfarrgarten ist die Wallgrabenanlage einer frühmittelalterlichen Turmhügelburg erhalten geblieben.