Wegmarken der Geschichte von Bissingen und Ochsenwang

769 – 809 Bissingen erscheint erstmals in schriftlichen Quellen. Das Kloster Lorsch erhält zu dieser Zeit umfangreichen Besitz an Leibeigenen und Bauerngütern im Ort. Die Siedlung Bissingen ist jedoch älter, wie Funde von Reihengräbern in der Teckstraße zeigen. Der Ortsname der alemannischen Siedlung geht auf den Personennamen Bisso oder Bissi zurück.

904 Kloster Lorsch tauscht seine Güter gegen Besitz in Churrätien, und ein Hochadliger namens Rutpert erhält die Rechte des Klosters in Bissingen. Vielleicht ist dieser Rutpert mit der nahegelegenen Diepoldsburg über dem Sattelbogen in Verbindung zu bringen.

1113 Anlässlich eines weiteren Gütertauschs wird Ochsenwang erstmals erwähnt.

Um 1250 Die Herzöge von Teck errichten auf dem heute „Bürgle“ genannten Bergkegel die Burg Hahnenkamm; schon im 11. Jahrhundert gab es hier eine Befestigung. Die Reste einer Turmhügelburg im Bissinger Pfarrgarten dürften ebenfalls spätestens aus dieser Zeit stammen.

1267 Die Siedlung „Kinne“ südlich von Bissingen wird erstmals genannt. Dieser Hof verschwand nach der Mitte des 15. Jahrhunderts, der dazugehörige See bestand noch 1623.

1275 In Bissingen gibt es zwei Kirchen, die heute verschwundene Michaelskirche (in der Nähe des heutigen Friedhofes) und die Marienkirche. Beide waren damals Pfarrkirchen. Erst 1468 vereinigte das Kloster St. Peter beide Pfarreien.

1292 Die Burg Randeck bei Ochsenwang wird erstmals genannt. Möglicherweise waren die Herren von Randeck Ortsherren von Ochsenwang. Nach dieser Burg nannte sich das Geschlecht der Herren von Randeck, dessen bedeutendster Vertreter Marquard (ca. 1292-1381) ist, der Patriarch von Aquileja war.

1303 Mit der Hälfte der Herrschaft Teck gelangt Bissingen an Österreich 1326 Württemberg erwirbt die österreichische Hälfte der Herrschaft Teck samt Bissingen

Teck

1350 Erstmals zeigen die schriftlichen Quellen die Existenz einer dörflichen, weltlichen Gemeinde: Von „des Dorfes Rechten“ ist die Rede.

1453 Das Kloster St. Peter richtet in Bissingen einen Pfleghof für seine umfangreichen Besitzungen in der Umgebung ein (das heutige Gebäude des Gasthauses zum Ochsen).

1477 Ochsenwang wird von Württemberg an Dietrich Speth verkauft, der es seiner Herrschaft Neidlingen einverleibt; künftig teilte der Ort die Geschicke dieser Herrschaft

1519 Der Schwäbische Bund erobert Württemberg und vertreibt Herzog Ulrich aus dem Land. Beim Feldzug des Bundes wird Bissingen besetzt und zu einem großen Teil zerstört.

1534 Die Reformation wird in Bissingen eingeführt, was Schwierigkeiten mit den ortsansässigen Vertretern des Klosters St. Peter zur Folge hat

Um 1600 Bissingen hat rund 630 Einwohner, Ochsenwang rund 100; der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 führt zu einem Rückgang der Bevölkerung um mehr als der Hälfte

1665 Ein verheerender Brand in Bissingen legt 27 Häuser samt dem Rathaus in Schutt und Asche. Das Gasthaus zum Ochsen wird in diesem Zusammenhang erstmals erwähnt; diese älteste Bissinger Wirtschaft heißt heute „Zum Lamm“.

1669 Das nach dem Brand neu erbaute Rathaus von Bissingen (heute altes Rathaus) ist fertiggestellt

1706 Der Gemeinde Ochsenwang wird erlaubt, eine eigene Kirche zu errichten

1797 Die Kelter der Herrschaft Württemberg in Bissingen wird neu gebaut – heute dient sie dem Bauhof der Gemeinde

1806 Die ins Mittelalter zurückreichenden Rechte des Klosters St. Peter in Bissingen gehen an Württemberg über

1807 Ochsenwang wird von Neidlingen getrennt und ins Oberamt Kirchheim eingegliedert

1824 In Bissingen entsteht ein Kirchenchor, aus dem sich der noch heute bestehende Männergesangverein entwickelt

1830 Bissingen erhält das Marktrecht

1839 In Bissingen wird die erste Baumschule für Obstbäume im Oberamt Kirchheim eingerichtet

1832-1833 Eduard Mörike ist Pfarrverweser in Ochsenwang

1896/97 Die Kirchheimer Textilfabrik Kolb&Schüle errichtet eine Weberei in Bissingen, die bis 1996 betrieben wurde

1938 Bissingen und Ochsenwang werden Teil des Landkreises Nürtingen, in dem der größte Teil des Oberamtes Kirchheim aufging

1945-1952 Bissingen nimmt über 500 Heimatvertriebene und Flüchtlinge auf

Um 1960 Der bis ins 17. Jahrhundert bedeutende und bis Anfang des 20. Jahrhunderts in nennenswertem Umfang betriebene Weinbau in Bissingen wird vollständig aufgegeben

1975 Ochsenwang wird der Gemeinde Bissingen eingegliedert, die seit 1974 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Weilheim ist; die neue Gemeinde Bissingen ist Teil des 1973 entstandenen Landkreises Esslingen

1970-2002 Die Einwohnerzahl der beiden Orte wächst von rund 2600 (1970) auf rund 3700 (2002) - die Gemeinde entwickelt sich in vielerlei Hinsicht: das Wachstum in der Fläche wird begleitet von einem kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur (Straßen, Wasserversorgung, Kanalisation, Freizeiteinrichtungen)

2003 Das neu gebaute Rathaus wird eingeweiht

Literatur: Der Landkreis Esslingen, herausgegeben vom Landesarchiv Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen, Ostfildern 2009.